Neue Arbeit |
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An dem neuen Austausch- und Arbeitsmarkt können sich die Menschen nicht nur
aus den Gründen des „Lohn-und-Brot-Erwerbs“ beteiligen, sondern hier auch
-besser als in vielen Erwerbsjobs und Berufen- ihre Engagementbereitschaft für
Gemeinschaft, Gemeinwesen und für ein tragfähiges Bürgerschafts-Netzwerk
einbringen.
Warum gibt es die „strukturelle Massenarbeitslosigkeit“ in
der heutigen Form überhaupt, wo doch offensichtlich viel notwendige Arbeit
unerledigt bleibt und Geld in großer Menge vorhanden ist? Der Wegfall von
Arbeitsplätzen durch Automatisierung liefert dafür keine nachvollziehbare
Begründung, im Gegenteil könnten die in ihrer früheren Arbeit nicht mehr zu
beschäftigenden Menschen nun doch in den offenen Aufgaben neue Arbeit finden.
Der Grund besteht darin, dass jegliche Arbeit, deren Resultat nicht mit
Gewinn verkauft werden kann, auch nicht dauerhaft bezahlbar ist mit einem Geld,
das nur in geldvermehrende Richtung strebt bzw. fließt. Deshalb sind die
staatlichen Ausgaben, z.B. Arbeitslosenunterstützung, nur in Mischkalkulationen
„querfinanzierbar“. Doch wenn das Unternehmen „Staat“ (u.a. aus Gründen des
Standortwettbewerbs) nicht mehr genug Steuereinnahmen hat, es also nicht genug
Gewinn macht, muss gespart werden. Hier wird die grundlegende Fehlkonstruktion,
in diesem Fall eine wirklich fehlende Konstruktion im Finanzsystem erkennbar. Es
ist bisher nur einseitig angelegt und besteht aus nur der einen von zwei
notwendigen Hälften. Die zweite Seite gibt es noch nicht, sie ist nicht
aktiviert. (Nach B. Lietaer könnte man die vorhandene Hälfte als die
„männlich-konkurrenzbetonte“ und die fehlende als die
„weiblich-kooperationsbetonte“ Komponente des Geldes charakterisieren.)
Die Erweiterung des Finanzsystems um diese fehlende Hälfte in Form einer
entsprechend konzipierten Sozialwährung ist möglich. Diese zusätzliche
Liquidität kann auf eine neue Weise Arbeit nachhaltig bezahlbar machen. Einige
der möglichen Arbeitsfelder wurden im vorigen Kapitel schon angerissen (siehe
Seite 11). Darüber hinaus sind in kommunaler Arbeit, bürgerschaftlichem
Engagement, zukunftsorientierten und problemlösenden Projekten, Bildung,
Erziehung, Kunst, Kultur und weiteren noch beliebig große Betätigungsfelder zu
bewirtschaften. Hier steht eine ungenutzte Dimension der Arbeit zur Verfügung,
mit der eine sinnvolle und notwendige Erweiterung des Wirtschaftsraums möglich
ist.
Diese Ergänzung kann von unten auf der Basis von bürgerschaftlichen
Tauschringen eingeführt werden. In ihnen können nachbarschaftliche Hilfen,
Leistungen und Sachen in beträchtlichem Umfang ausgetauscht und bezahlt werden,
zu einem Teil steuerfrei. Erwerbsarbeit ist auch hier steuerpflichtig. Dafür
gibt es bereits entsprechende Bestimmungen, die zu beachten sind.
In
diesem Aspekt bietet eine lokale Zweitwährung eine finanzpolitisch interessante
Möglichkeit: Auf kommunaler Ebene wäre mit ihr in einfacher und effizienter
Weise eine Besteuerung vorstellbar, indem für alle Umsätze oder Konten eine
pauschale Gebühr (Steuer) an die Kommune entrichtet wird. Das wäre natürlich
dann besonders sinnvoll, wenn die Kommune selbst die Trägerschaft der
Zweitwährung übernimmt oder sich an der entsprechenden Gesellschaft beteiligt,
etwa im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft. So schafft die Kommune neue Arbeit,
erhält mehr Mitarbeit, entschärft das politische Klima, entlastet den
Sozialhaushalt und gewinnt eine neue Steuerquelle.
Zunächst jedoch gibt
es hier noch gesetzlich unerschlossene Bereiche und Neuland. Dafür erfolgt in
den nächsten Jahren wohl eine genauere, gesetzgeberische Klärung. Doch stellt
die teilweise noch unübersichtliche Rechtssphäre möglicherweise eine Chance dar,
indem in diesen Freiräumen solche zukunftskreativen Ansätze und Alternativen
erprobt, ihr Wert sichtbar gemacht und unter Beweis gestellt werden können,
möglicherweise mit staatlicher oder europäischer Unterstützung.
Die
Übereinstimmung der kulturell-ethischen Werte mit dem wirtschaftlichen Geschehen
hat sich deutlich verschlechtert. Unter den gegebenen Umständen und Perspektiven
erscheinen die alten Werte den Menschen als zunehmend irrelevant. Mit einem
dualen Wirtschaftssystem, in dem die soziale Komponente nicht mehr von
nachrangiger Bedeutung ist, würde diese Integrität wieder verbessert werden.
Darin sehe ich wiederum einen bedeutsamen Aspekt, weil gerade der breite
Wertverlust und die damit einhergehende Entwurzelung ein ernster Grund zu
unguten Zukunftsprognosen sind.
Problemlösungen und Zukunftspotentiale
auf einen Blick:
> die Arbeitslosigkeit wird beendet oder zumindest
erheblich verringert;
> ein „neuer sozialwirtschaftlicher Konjunkturraum“
wird eröffnet;
> gesunde Nachbarschaften als Arbeitssphäre wirken in hohem
Maße integrierend;
> statt Sozialabbau und Verarmung werden Wege zu
neuem, sozialem Wohlstand erschlossen;
> die lokale Wirtschaft erhält
wieder die ihr zustehende Funktion, und die Lokalisierung erhält wieder die
unverzichtbare Gleichgewichtung;
> die soziale Komplementärwirtschaft
erschließt Wege zur Nachhaltigkeit;
> die Kluft zwischen Wirtschaft und
ethischen Werten wird abgebaut.
Fazit: Arbeit gibt es genug! Was
fehlt, ist die dafür geeignete Geldform.