Einführung einer Zweitwährung
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ZWEITWÄHRUNG - TAUSCHRING
Bilderübersicht
"BAR-MINI"
Wertgutschein
Verrechnungskarte
Kurzspielregeln
auf der Basis
von Tauschringen

Die Entwicklung des Minizeit-Zweitwährungsmodells läuft seit 1995. Die Systemelemente wurden auf Tauschringbasis in diversen Phasen entwickelt und erprobt, (s. „Bisherige Entwicklung“). Im Rahmen dieser Kurzbeschreibung kann das nur als Skizze umrissen werden. Die Unterschiede zur Erstwährung werden in Form einer Tabelle aufgezeigt.
Beim Minizeit-Zweiwährungssystem wird ( -auf dem bisherigen Entwicklungsstand- ) das Geld von den Mitgliedern als Einzelperson ("Ich-Geld") herausgegeben, wobei die technische Ausführung von der Trägerinstitution (z.B. einem Tauschring e.V.) übernommen wird. Die Geldmenge kann durch die Aktivierung von Kooperationen, wechselseitigen Hilfen, Austausch, lokaler Arbeit jederzeit erhöht werden. Damit hat es die lokale Bürgerschaft selbst in der Hand, wie viel von diesem sozialen Umlaufgeld zur Verfügung steht. Insgesamt gesehen reguliert sich die Geldmenge nach allen Richtungen, steigend, gleichbleibend oder fallend selbst, und zwar sowohl im Hinblick auf den Herausgeber, wie auch in Bezug auf die Tauschringumgebung (Nachbarschaft, Quartier, Stadtteil). Die Anpassungen erfolgen in Abhängigkeit von der aktuellen Aktivität bzw. vom tatsächlichen Umlauf. Darin besteht einer der bedeutsamen Unterschiede zur Hauptwährung, deren Menge eigentlich nur zunehmen kann.
Die Währungseinheit ist beim Minizeit-Modell –gewissermaßen unabhängig von Raum und Zeit- als der Tauschwert für eine Minute einfacher Nachbarschaftshilfe definiert. Das ist überall eindeutig und funktioniert auch in Grenzgebieten oder anderen Mehrwährungsumgebungen. (Derzeit –Mitte 2006 in Freiburg- entspricht 1 Mini ca. 0,13 Euro). Die Tauschenden sind aber nicht daran gebunden, eine Stunde Arbeit grundsätzlich mit 60 Mini zu bewerten, sondern können ihre Stundensätze und Preise frei vereinbaren. Die Verwaltung kann von den Tauschringen selbst durchgeführt werden. Die Währung kann auch in den benachbarten „Dörfern“ oder einem größeren, regionalen Verbund verwendet werden.
Die Minizeit-Zweitwährung hat keine systeminhärente Inflationstendenz. Mit der lokalen und weitgehend selbstverantwortlichen Organisationsform ist eine maximale Subsidiarität gegeben. Diese verleiht dem System auch insofern „Robustheit“, als Probleme lokal begrenzt sind, demzufolge auch der mögliche Schaden limitiert bleibt, die Problemlösung nur den einen Tauschring betrifft und darüber hinaus höchstens noch seine Umgebung tangiert. Nach eventuellen Passivitätsphasen und selbst nach Unterbrechungen kann die Zweitwährung immer wieder auf der gleichen Grundlage aktiviert werden.
In der Startphase kann man sich darauf beschränken, die Austauschaktionen unbar, also in Giroform zu bezahlen. Das erfolgt unter Verwendung der Verrechnungskarte (Abbildung Seite 22), die gleichzeitig der für das aktuelle Quartal gültige Vereinsausweis ist. Jedes Mitglied führt sein Konto in Form dieser Verrechnungskarte selbst. Das hat sich über viele Jahre gut bewährt, läuft hinreichend fehlerfrei und ist auch missbrauchsicher. Der unbare Bereich der Zweitwährung, das "Girogeld" ist sicher und vollständig in Form einer „lokalen Netzwerk-Kreditwährung“ gedeckt.
Darüber hinaus haben die Mitglieder die Möglichkeit, in der gleichen Werteinheit "Mini" auch Wertgutscheine, d.h. Bar-Mini (Abbildung Seite 23) herauszugeben, aber nur in begrenztem Umfang. Mit „Mini-Bargeld“ sind die Zahlungsvorgänge schneller und einfacher. Auch etliche der "Bargeld-Varianten" sind bereits erprobt. Für sie stehen diverse, ebenfalls sichere Deckungsformen zur Verfügung. Die Wertgutscheine sind in kleinen Serien bebildert, unverwechselbar nummeriert und signiert. Fälschungsversuche sind sinnlos, weil unergiebig, aufwendig und in der lokalen Umgebung schnell auffallend. Andernorts können Bar-Mini in der Normalausführung nicht ausgegeben oder eingetauscht werden.
Für die Teilnahme am Tauschring wird ein Mitgliedsbeitrag erhoben. Der unbare Austausch mit der Verrechnungskarte kann durch Variation der Gebühren aktiviert werden, geringere Gebühren bei hoher Aktivität, die auch mit einer möglichen Erhöhung des Verfügungsrahmens anerkannt wird. Bei einseitiger Spartendenz und auch bei Passivität werden die Gebühren höher, wodurch der ständige Umlauf gefördert wird. (Für’s Geldsparen stehen weiterhin die Erstwährung und andere Anlageformen zur Verfügung.) Beim baren Austausch sorgt die zeitlich begrenzte Gültigkeit der Mini-Wertgutscheinen dafür, dass das Bargeld nicht liegen bleibt, (etwa im Sparstrumpf), sondern zirkuliert und sich dabei ständig regeneriert. Gegen Ende der Laufzeit, auch etwas darüber hinaus, kann jeder Wertgutschein aktualisiert, d.h. in einen neuen Schein oder in Giro-Mini umgewandelt werden. Jenseits der Laufzeit setzen später Wertabstriche ein, mit denen ein eventuell nicht aktualisierter Wertgutschein in einer festgelegten Zeit stufenweise entwertet wird. Diesen Instrumente ermöglichen eine „gesunde Geldmengenanpassung“.
Der Start eines lokalen Zweitwährungs-Ansatzes kann zusammen oder unabhängig von einer Dorf-in-der-Stadt-Initiative organisiert werden. Er ist, sofern separat, auf ähnliche Weise möglich. Als Rechtsform ist der eingetragene Verein geeignet.
Noch sinnvoller erschiene es mir, wenn die betreffende Stadt bzw. Kommune selbst die Trägerschaft übernimmt. Damit dürfte aber vorläufig eher noch nicht zu rechnen sein. Immerhin kann sie ein solches Projekt dennoch fordern, fördern, unterstützen oder in Auftrag geben. Auch Wohlfahrtsverbände, Hochschulen, Regionalbanken kommen für die Trägerschaft in Betracht oder könnten sich an einer entsprechende Arbeitsgemeinschaft beteiligen. Das Startteam ist nach diesem Modell mit Unterstützung und Beratung leicht dazu zu befähigen, den Tauschring anzufahren.
Bei langsamem Einstieg (der sich bald beschleunigen kann) reichen zunächst 2 Personen bei einem Zeiteinsatz von unter 10 Stunden wöchentlich. Mit steigender Mitgliederzahl erhöht sich der Verwaltungsaufwand. Die übergelagerte Gesamtorganisation einschließlich Begleitung, Beratung, Bereitstellung der Informationsmaterialien etc. erfordert ebenfalls vorläufig nur einen vergleichbar geringen Zeitaufwand, da hierfür vieles schon erarbeitet ist und zur Verfügung steht. Mit größer werdender Anzahl der Tauschringe muss dann aber auch die Dachorganisation entsprechend wachsen.
In modifizierter Form könnte die Zweitwährung auch als Ausgleichsmedium für den Austausch zwischen Initiativen, Sozialinstitutionen, Kunst- und Kulturinitiativen, Wohlfahrtsverbänden, Interessenbörsen dienen, mit dem diese ihre Vernetzung und Arbeit ähnlich aktivieren und den Aufbau des „Bürgerschaftsmarktes“ mittragen könnten.
Weitere allgemeine Aspekte der Zweitwährung
Das heutige Finanzsystem besteht aus nur einer von zwei notwendigen Hälften. Nur der auf Wettbewerb bzw. Konkurrenz begründete Teil ist entwickelt. Die andere, für soziale Kooperation und Symbiose geeignete Hälfte fehlt. Dafür ist kein eigenes Geldsystem vorhanden. Viel Austausch an der Basis der Gesellschaft kann deshalb nicht oder nur unzulänglich erfüllt werden, und es existiert eine paradoxe Arbeitslosigkeit.
Es gilt als das selbstverständlichste Paradigma der Wirtschaft, dass mit nur diesem einen, auf Wettbewerb basierenden Finanzsystem alle Menschheitsaufgaben zu erfüllen wären. Darin liegt wohl der fundamentalste Irrtum und einer der Hauptgründe für viele der von uns Menschen selbst erzeugten Probleme. Tatsächlich ist das bestehende Modell für die wirtschaftliche Organisation dieser höchst komplexen Welt grundlegend überfordert. Es ist gewissermaßen durch die „fehlende Konstruktion“ einer Sozialwährung gekennzeichnet und muss so rasch wie möglich zu einem vollständigen System erweitert werden.
Viele der inzwischen bereits eingetretenen Fehlentwicklungen sind zwar bereits seit langem absehbar und überzeugend prognostiziert, aber das Vorstellungsvermögen, was die Konsequenzen wirklich bedeuten würden, war noch nicht vorhanden, und es wurde verdrängt. Mittlerweile wird das Ausmaß der Bedrohlichkeit deutlicher. Wenn wir nicht tatenlos zulassen wollen, dass sich vieles noch weiter zum Schlechteren entwickelt, sondern wenn wir stattdessen Zukunft wollen, müssen die gravierendsten Fehler als solche erkannt und wirksam korrigiert werden. Der Fehler des Finanzsystems rangiert m.E. dabei auf dem ersten Platz. Doch ist das Thema „Kapitalismuskritik“ noch mit größter Berührungsangst besetzt und am stärksten tabuisiert. Sehr lange schon wird es in der öffentlichen Diskussion in offensichtlichem Konsens weitgehend gemieden. Doch mit der Ausblendung dieser gefürchteten Erörterung bleiben auch andere, neue, möglicherweise integrierende Alternativen unbelichtet.
Hinter der Arbeitslosigkeit und der schwächer werdenden Sozialversorgung taucht immer wieder als eine der Standardbegründungen auf: nicht finanzierbar wegen der Staatsverschuldung. Allein schon wegen der Zinslast ist der Schuldenberg von seinem unheimlichen Wachstum nicht mehr abzuhalten. Das also ist die Schuldenfalle. Die „Mittepolitiker“ propagieren als Ausweg: „Mehr Wirtschaftswachstum für mehr Arbeitsplätze“. Das schiebt die Probleme aber nur auf und lässt sie weiterwachsen. Zudem wird ignoriert, dass das „falsche Wirtschaftswachstum“ unter dem Strich nicht zu mehr, sondern zu weniger Arbeitsplätzen führt, da es noch mehr Fusionen bringt, die jedes Mal Arbeit überflüssig machen, und da auch die Automatisierung noch viel weiter gehen wird.
Immer mehr Experten erkennen, dass unser Währungssystem ein Schneeballsystem ist, wenn auch ein langsames. Bei aller Langsamkeit macht es aber doch schon einen ziemlich „reifen“ Eindruck. Es ist wohl höchste Zeit für wirksame und möglichst sanfte Kurskorrekturen.
Das Zwei-Währungen-System ist in diesem Sinn möglicherweise eine tragfähige Brücke in die Zukunft. Dafür, dass es bei ausgeglichenem Wohlstand gut funktionieren kann, gibt es Beispiele in der Menschheitsgeschichte, z.B. Epochen in der Blütezeit des Mittelalters und in der ägyptischen Antike. Derzeit werden weltweit bereits Tausende von Zwei-Währungen-Ansätzen, bisher die meisten in Form von Tauschringen, entwickelt, erprobt, angewandt, teilweise mit staatlicher Förderung. Diese Entwicklung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten angebahnt und nimmt rapide zu. Wenn der Gesamtanteil am Wirtschaftsgeschehen bisher auch noch gering bleibt, ist das doch ein hoffnungsbegründender Trend.
Nach meinem Erkenntnisstand gibt es aber bisher noch kein weltweit favorisiertes Zwei-Währungen-Modell. Eine hemmende Rolle spielt dabei wohl noch die Unentschiedenheit in einer der Hauptunterscheidungen: Soll die Zweitwährung in ihrer Wertdefinition der Erstwährung (z.B. dem Euro) entsprechen oder sich davon differenzieren. Was diese Frage anbelangt, scheint mir klar, dass nur eine eigenständige, von Raum und Zeit und anderen Währungen unabhängige Wertdefinition in Frage kommen sollte, damit das Modell der Zweitwährung von vorneherein über nationale bzw. Währungsgrenzen hinweg standardisierbar und stabil ist, und sie nicht von eventuellen Verwerfungen bei der Hauptwährung automatisch in Mitleidenschaft gezogen wird. Gerade durch eine unabhängige Definition und eigene Systemstabilität könnte sie in kritischen Zeiten die Rolle einer sozialen Redundanz- bzw. Reservewährung einnehmen.
Die systemtypische „selbstverstärkende Ausbreitung“ beim Minizeit-System ist dadurch zu erwarten, dass viele weitere Bürgerschaften das Modell, wenn es die angekündigten Erfolge bringt, auch bei sich realisieren wollen, was aufgrund der verfügbaren Handlungsanleitungen (über Internet oder schriftlich) sowie durch Beratungen mit Hilfe der modernen Kommunikationsmittel (z.B. E-Mail, Fragen- und Austauschforum) bis hin zur Anleitung vor Ort auch machbar ist. Das wäre sozusagen ein „gesundes Schneeballsystem“, das nur in der ersten Wachstumsepoche exponentiell zunimmt, sich dann aber harmonisch und ohne weiteren Wachstumszwang auf ein sinnvolles Niveau einpendelt, (= „begrenztes“ im Gegensatz zu „exponentiellem“ Wachstum.) So kann die Ausbreitung der Zweitwährung erfolgen, und es ist nach dieser Konzeption vorstellbar, dass sie sich innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne bis zur flächendeckenden Verfügbarkeit verdichtet. In diesem Sinne stellt die Einführung einer bürgerschaftlichen Zweitwährung auf der Basis der Undina-Methode eine mögliche Organisationsform für die schnelle Realisierung dieser Gesellschaftsreform von unten dar.
| Zweitwährung | Erstwährung | |||
| Geldentstehung | Herausgeber des Geldes ist die Einzelperson im Rahmen einer
Trägerinstitution. (Man könnte das als "Ich-Geld" oder "Hier-Geld"
bezeichnen.) |
Die Zentralbank (und das nachgeschaltete Bankensystem) geben das Geld in Form von zinspflichtigen Krediten heraus. (Staatswährung, Geldschöpfungsmonopol). | ||
| Geldauflösung | Bei Ausscheiden aus dem Tauschring: Rückgabe der Verrechnungskarte und
des Anfangsguthabens. Bargeld: Alle Wertgutscheine kommen nach begrenzter
Gültigkeitszeit wieder aus dem Umlauf. (Der Umlauf ist vollständig
ausbalanciert. Für alle Versionen sind sichere Währungsdeckungen
vorhanden.) |
Für alle Kredite muss wegen der Zinsen eine höhere Geldmenge, als
ausgegeben wurde, zurückfließen. Die Geldmenge muss sich daher theoretisch
immer weiter erhöhen. Dadurch ist die Wirtschaft zu stetem Wachstum
gezwungen. | ||
| Geldverteilung | Ausgeglichene Geldverteilung der Zweitwährung an der Basis der
Bevölkerung. |
Das Geld konzentriert sich unaufhörlich bei den größeren
Kapitaleignern, Banken, Fonds, Versicherungen, Konzernen, reichen Personen
und weiteren. | ||
| Innerer Antrieb für den Geldumlauf | Das System nutzt und aktiviert die Bereitschaft zur Kooperation, zum
Beitragen und zur gegenseitigen Hilfe im lokalen Umfeld. Persönliche
Aktivität erhöht den eigenen wie auch den gemeinsamen sozialen Wohlstand.
Sie festigt, stärkt und sichert die Stellung des aktiven Menschen in
seiner sozialen Umgebung. Das bewirkt Vernetzung, Gemeinschaft und
Ausgleich. |
Das System nutzt und aktiviert das Potential des Wettbewerbs
Erfolgreicher Geldeinsatz vermehrt den persönlichen Wohlstand und erhöht
den Status in der Gesellschaft. Das Geld strebt auch außerhalb des eigenen
Lebensumfelds in Gewinn erwirtschaftende Einsätze, Investitionen und
Maßnahmen. (Mit dieser konstitutionellen Allein-Gewichtung der Konkurrenz
ist eine Einseitigkeit etabliert, die so nicht funktionsfähig ist.) | ||
| Die Rolle von Zinsen | Zinsen sind bei der Konzeption der Zweitwährung ohne Bedeutung. Ihre
Nutzung kostet in allen Varianten eine geringe Gebühr. Deshalb sind
Zinsdarlehen nicht lohnend und in größerem Stil unmöglich. Diese Währung
zwingt die Wirtschaft nicht zum Wachstum. |
Zinsen sind eine der Hauptessenzen der Erstwährung, die in Form von
Bankkrediten entsteht. Sie sind der wahre Grund für den Zwang zum steten
Wirtschaftswachstum. | ||
| Inflationsgefahr, Regulierung der Geldmenge | Bei der Zweitwährung besteht keine Inflationsgefahr, weil sich ihre
Geldmenge selbstregulierend, steigend, gleichbleibend oder fallend an die
lokalen Gegebenheiten anpasst und weil die Organisations-parzellen klein
sind. Ein weiterer Grund besteht darin, dass die Minizeit-Einheit
unabhängig von Raum und Epoche wertstabil als Tauschwert für 1 Minute
Nachbarschaftshilfe definiert ist. |
Eine Inflationstendenz ist praktisch immer da. Das Inflationstempo
kann sich steigern, beschleunigen und in Krisen außer Kontrolle geraten.
Die Inflation in Schach zu halten ist eine der großen Aufgaben der
Zentralbanken. Die Geldmenge kann eigentlich nur nach oben, d.h. in ihrer
Zunahme reguliert werden. | ||
| Verfügbarkeit | Die Zweitwährung kann überall durch nachbarschaftlichen und
bürgerschaftlichen Austausch, durch soziale Selbstversorgung sowie ggf.
auch durch kommunale und lokalwirt-schaftliche Arbeit auf der Basis der
lokalen Ressourcen geschöpft und angemessen verfügbar gemacht werden. |
Das Geld darf grundsätzlich nur relativ knapp verfügbar sein (=starke
Währung, relativ inflationsstabil). Die Schere zwischen Arm und Reich
strebt dabei aber grundsätzlich auseinander. Lokale Initiativen haben kaum
Möglichkeiten, selbst eine höhere Geldverfügbarkeit zu erschließen. | ||
| Geld-Landkarte | Im Szenario einer flächendeckend eingeführten Zweitwährung entspricht
die Landkarte der Geldmenge recht genau derjenigen des lokalen
Austauschvolumens. |
Beim Erstgeld sind die Landkarten der Geld-Verteilung und der Arbeit
verschieden, da sich die Geldströme und Ballungsgebiete nach noch weiteren
Einflussgrößen gestalten. Extreme Geldkonzentrationen sind üblich. | ||
| Wohlstand, Reichtum | Die Zweitwährung fördert sozialen Reichtum und gemeinsamen
Wohlstand. |
Die Erstwährung fördert mehr den materiellen Reichtum und den
persönlichen Vorteil. | ||
| Vorsorge | Die Zweitwährung ermöglicht Formen der bürgerschaftlich-kooperativen
Selbstversorgung, somit auch der Vorsorge durch mehr Arbeitsaustausch in
intakten Bürgerschaften. (Eine besondere Variante ermöglicht durch eigene
Hilfeleistungen für Senioren und andere Bedürftige ein Ansparen von
Ansprüchen auf nachbarschaftliche Versorgung.) |
Mit Normalgeld ist Altersvorsorge in Form von Renten, Versicherungen
und Vermögensbildung möglich und üblich. Dabei kann das System aber an
Grenzen geraten und angespartes Vorsorge-Vermögen und Rentenansprüche | ||
| Sparen, Geldvermögen | Zum Sparen und Vermögen- bilden ist die Zweitwährung ansonsten nicht
geeignet und auch nicht konzipiert. Dafür gibt es weiterhin die
Erstwährung und andere Vermögensformen. |
Die Erstwährung ist auch zur Wertspeicherung, also zum Sparen und Vermögen bilden konzipiert. Das verträgt sich (u.a.) nicht gut mit der Umlaufgeldfunktion. | ||
| Bisherige Geldfunktionen | Die Bedeutung der Tauschringe und Zweitwährungen ist derzeit noch
gering. Aber die Zahl der Zweitwährungsprojekt nimmt stark zu. (Bisher
sollten ehrenamtliche, charitative, freiwillige Engagements die Lücke des
fehlenden Geldes ausfüllen. Aber das ist dafür bei weitem zu wenig.) |
Das Normalgeld muss alle Funktionen erfüllen: Wertbemessung,
offizielles und universelles Zahlungsmittel, Umlaufgeld,
Vermögensspeicherung, Geschäftsgeld, Entlohnungsgeld für Arbeit, Staats-
und Globalgeld, Machtinstrument, Finanzierung von Renten und
Sozialleistungen. Ein einziges, einseitig angelegtes Geldsystem ist mit
der Fülle der Aufgaben überfordert. | ||
| Geldfunktionen bei dualem Währungssystem | Die Zweitwährung dient als Umlaufgeld für die soziale
Selbstversorgung. Sie kann nicht in der Ferne investiert werden. In
erweiterter Konzeption ist sie ggf. auch als Entlohnungsgeld für kommunale
und lokalwirtschaftliche Arbeit geeignet. |
Das Normalgeld wird in einem dualen Finanzsystem in einigen Aufgaben,
die es ohnehin nur unzureichend leisten kann, entlastet. Dadurch könnte
das wirtschaftliche Gesamtsystem möglicherweise entscheidend verbessert
werden. | ||
| Globalisierung, Lokalisierung, Nachhaltigkeit | Mit der Zweitwährung werden die lokalen Ressourcen genutzt, gestärkt
und erhalten. Sie fördert und ermöglicht die Lokalisierung. In der
Lokalwirtschaft nach der neuen, vorgeschlagenen Art können auch die
Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. |
Die Erstwährung führt zur Globalisierung. Mit ihr allein ist der Trend
zur Vergrößerung, zu Übernahmen, Fusionen, Kartellen und Monopolstellungen
systeminhärent. Für Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte etc.
sind das Besorgnis erweckende Aussichten, auch für Nachhaltigkeit
schlechte Chancen. | ||
| Integration | Für praktisch alles, worin sich die Menschen dort, wo sie wohnen,
austauschen möchten, sei es in einer existenziellen oder einer
interessenbasierten Kooperation, stellt die Zweitwährung eine mögliche
monetäre Basis dar. Daraus können sich die vielfältigsten
Austauschvaria-tionen erschließen und aufbauen. Damit wird ein
hochintegratives Austauschmedium zur Verfügung gestellt. |
Die Erstwährung ist im ärmeren Teil der Gesellschaft so knapp
verfügbar, dass das Geld im kreativen Austausch von Fähigkeiten und
Potentialen der Menschen nur in spärlichen Mengen oder gar nicht hin- und
herfließen kann. Diese Nicht-Verfügbarkeit wirkt sich eher Kreativität
hemmend und eher diskriminierend als integrierend
aus. |