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Die Undina-Methode


Mini-Zweitwährung Hallo-Leute-Modell Grundlagen Dorf-in-der-Stadt Internet-Darstellung in Vorbereitung Medienkonzeption

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Reinhard Mehl und Philipp Heist
Dieser Text ist ursprünglich von R.M. verfasst und anschließend und von P.H. überarbeitet worden.


Die Undina-Methode kann man als die motivationstheoretische Grundlage bezeichnen, auf der das Dorf-in-der-Stadt aufbaut. Danach können rasch Wirkung entfaltende und dennoch sanfte, gesellschaftlich verbessernde „Wellen“ systematisch konzipiert und aktiviert werden. Nach unserem bisherigen Kenntnisstand ist eine solche Herangehensweise bisher unbekannt.

Das "Dorf-in-der-Stadt" ist eine von vielen möglichen Undina-Anwendungen. Die damit angestrebten, gesellschaftlichen Gewinne und Fortschritte sind wesentlich deshalb in relativ kurzer Zeit zu erreichen, weil der Ansatz, wie alle Undina-Projekte, ausdrücklich auf schnelle und sich selbst dynamisch verstärkende Ausbreitung hin entworfen ist.

Die drei wesentlichen Kriterien, nach denen ein "Undina-Projekt" konzipiert wird, erfordern,

> dass es ethisch wertvoll und zukunftskreativ ist,
> dass alle Beteiligten davon Gewinn im weitesten Sinn haben und
> dass es einfach, leicht kopierbar oder übertragbar und somit „selbstverstärkend“ ausbreitungsfähig ist.

Ausgangspunkt der Entwicklung war die Frage: wie können schnelle Veränderungen hinsichtlich des Verhaltens der Menschen bewirkt werden? Dies besonders auch vor dem Hintergrund, dass sich die Umwelt- und Umfeldbedingungen schnell verändern, das Verhalten der Menschen sich darauf aber zu langsam einstellt und daran anpasst. Beispiel: Ressourcenverbrauch von Luft, Wasser, Rohstoffen.

Als Prämisse ging und geht P.H. davon aus, dass von oben, von der Spitze der Gesellschaft strukturbedingt keine adäquaten Reaktionen angemessen kurzfristig zu erwarten sind. Er suchte also nach der Methode, auf deren Grundlage intelligente Veränderungen von unten, von der Basis der Gesellschaft ausgehen könnten. Als wesentliche Voraussetzung wurde erkannt: um zu bewegen, muss ein für viele Menschen erzielbarer Gewinn erreichbar gemacht bzw. die zugrunde liegende, massenhaft vorhandene Motivation angesprochen werden, z.B. Arbeit, Geld, Versorgtheit, Sicherheit, Beziehung, etc. Das Nachbarschaftsnetzwerk "Dorf-in-der-Stadt" beruht auf den Motivations-Ressourcen sozialer Austausch, Beziehung, Zugehörigkeit und weiteren.

Aber wie kann man so ein Projekt, wenn es sich denn im geplanten Sinne als positiv wirksam erweist, schnell ausbreitungsfähig machen? Dafür müsste es auf jeden Fall relativ klein, überschaubar, einfach, leicht kopierbar und übertragbar sein. Und es müssten alle am System Beteiligten daraus Vorteile, Gewinne, Belohnungen erlangen können, und zwar solche, die nachhaltig immer wieder neu motivieren.

Geldgewinne oder Entlohnungen sind dafür am besten geeignet, da sie heute einen der stärksten Antriebe bedeuten. Diese Funktion kann auch mit einer Zweitwährung, wenn sie im Umfeld verkehrsüblich ist, erfüllt werden. Darüber hinaus gibt es viele weitere Möglichkeiten für Entlohnung; sie kann in ideellem Gewinn bestehen oder in Anerkennung und sozialem Status. Entscheidend ist, dass der Gewinn nachhaltig angestrebt wird und die entsprechende Motivation sich immer wieder regeneriert. Ausschließlich ideeller Gewinn reicht dafür auf breiter Basis nicht aus.

Das Kriterium, dass bei einem Undina-Projekt alle Teilnehmenden Gewinn im weitestes Sinn haben sollen, stellt einen Unterschied zu vielen Ansätzen und Haltungen im Bereich sozialer Verbesserung dar. Noch immer scheint -nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in manchen Fachkreisen- die Meinung vorzuherrschen, bürgerschaftliches, ehrenamtliches, soziales Engagement sollte und könnte in größerem Umfang unentgeltlich erfolgen, und eine altruistische Absicht sei korrekt eigentlich nur in einer Haltung der Selbstaufopferung zu verwirklichen. Das sehen wir als einen Irrtum an. Altruistische und egoistische Motivationen können durchaus gleichzeitig und im Einklang wirken! Der zur Norm gewordene Denkfehler liegt vielleicht in der Unmöglichkeit begründet, menschlichen Idealismus und sozialen Austausch mit dem Zwang zu Konkurrenz und Kampf, der eine systeminhärente Qualität des Standardgeldes ist, in Einklang zu bringen.

Aber es liegt auf der Hand, dass mehr Aktivität erfolgt, wenn ein Engagement „belohnend“, kostendeckend oder sogar einträglich beigetragen werden kann. Die simple Grundtatsache ist leicht zu erkennen, dass Entgelt oder Gewinn auch in bescheidenem Rahmen die Menschen nachhaltig motivieren, und dieses nicht grundsätzlich im Widerspruch zu Idealismus, Engagement oder mildtätigem Wirken steht.

Wenn die drei oben dargestellten, wesentlichen Kriterien erfüllt sind, besteht eine gute Chance dafür, dass ein solches Projekt ein selbstverstärkendes, exponentielles Wachstumspotential hat und sich dementsprechend dynamisch ausbreitet. Eine solche Welle könnte als eine "ansteckende Gesundheit des Sozialen" bezeichnet werden.

Es handelt sich also um die systematische Anregung schneller, sich selbst verstärkender, sozialer Verbesserungsprozesse und Entwicklungen. Dieser Ansatz zur Realisierung sozialer Verbesserung stellt, soweit wir das überblicken können, ein „soziopädagogisches Novum“ dar. Würde die Methode jedoch nachweislich funktionieren, so könnten nach dem ersten erfolgreichen Projekt, das dann ja weiter prosperiert und wächst, weitere Undina-Wellen konzipiert und in Gang gesetzt werden mit dem Ergebnis einer Vielzahl von Problemlösungen und Kultivierungen binnen kurzer Zeit.

Veränderungen werden also evolutionär und sanft bewirkt, nicht revolutionär und radikal, aber dennoch schnell. Die Gefahren radikaler Veränderungen liegen in der Nutzung gewaltsamer Strukturen, in Not, Zerstörung, Krieg, dem Vergeltungsbedürfnis der Unterlegenen usw. Für all diejenigen, die im Empfinden von Ungerechtigkeit und Unveränderbarkeit ihrer Lage versucht sind, zur Gewalt zu greifen, können Undina-orientierte Ansätze eine Hoffnung und Möglichkeit darstellen, konstruktiv für ihre Ziele zu wirken. So können möglicherweise große Mengen kreativer Kräfte freigesetzt werden, die andernfalls in Lähmung, Depression oder mehr oder weniger frustriertem Zeitvertreib stagnieren oder sich in Krisen polarisieren und in Konfrontationen aufreiben. Angesichts dessen kann die Bedeutung eines Weges zu effektiver, nicht gewaltsamer Veränderung überhaupt nicht überschätzt werden.

Ein komplexes System von Problemen und Gefahren bedroht uns heute:

Verschuldung auf allen Ebenen, Ungleichgewichte in Handelsbilanzen, Risikoballung bei großen Finanzinstituten, Hedgefont-Aktivitäten und -Spekulationen, kritische Geldblasen ("Bubbles");
>Ökologie:
Klimawandel, Wetterextreme, Wassermangel, Bodenerosion, Vordringen der Wüsten, Luft-, Wasser- und Bodenvergiftung, Artensterben, Verluste im Genpool;
>Wirtschaft:
gesättigte Märkte, globale Überkapazitäten, knapper werdende Ressourcen, Machtkonzentration bei wenigen "Global Playern";
>Finanzsystem:
>Gesellschaft:
Politikverdrossenheit, Legitimationsverlust von Politikern und demokratischem System, Polarisierungen und Extremismus, dauerhafte Massenarbeitslosigkeit, Geburtenmangel, gesellschaftliche Desintegrationen, Einkommensverteilung, nicht mehr funktionstüchtige Sozialsysteme;
>Terrorismus:
auch mit Chemie-, Bio- und Atomwaffen denkbar.

Dazuhin kann die Globalisierung solcher Ereignis ungünstige Reaktionen und Folgen wiederum im globalen Maßstab nach sich ziehen. Angesichts dieser bedrückenden Liste muss es jetzt um Ansätze gehen, mit denen positive Wirkungen wirklich zu erzielen und auch eine neue Zuversichtlichkeit aufzubauen sind. Partielle Symptombehandlungen, gut gemeinte symbolische Projekte oder Appelle zu mehr Moral, weniger Gier, mehr Menschlichkeit usw. reichen nicht aus. Wer Zusammenhänge wirklich erkennen und zukunftskreative Ansätze entwerfen will, muss die Mainstreams der Betrachtungsweisen verlassen, sich von gängigen Ansichten und Vorurteilen frei machen und unabhängig denken.

Mit der Undina-Methode wird genau hingesehen und berücksichtigt, welches die tatsächlichen Antriebskräfte, Bedürfnisse, Wünsche der Menschen sind. Zwar tauchen dabei auch einander widersprechende Wünsche auf, die jedoch meistens auf allen Seiten ihre Berechtigung haben und aus ganzheitlich-komplementärer Sicht nicht grundsätzlich unvereinbar sind. Es ist eine weitere, besondere Qualität der Undina-Methode, dass mit ihr Projekte so angelegt werden können, dass sie die gängige Einseitigkeit und Eingeschränktheit polarer Betrachtungen überwinden und eine umfassendere, tolerantere Sicht des Menschseins erschließen helfen kann.

Die meisten Teilnehmer an Undina-Projekten spüren die zukunftskreative Sinnspur, auch wenn nicht alle die Tiefe vollständig erfassen und durchdenken mögen. Die verbessernde, evolutionierende Wirkung entfaltet sich auch dann, wenn die Teilnehmenden sich daran nicht direkt aus den entsprechenden, idealistischen Motivation engagieren. Für das Beispiel der Nachbarschafts-Vernetzung bedeutet das: es wird nicht davon ausgegangen, dass sich die Menschen daran aus dem ausdrücklichen Wunsch beteiligen, z.B. demokratische Partizipation und Selbstverantwortlichkeit zu stärken oder gesellschaftliche Probleme zu lösen o.ä. Vielmehr ergeben sich diese Effekte sozusagen als beabsichtigte Nebenwirkungen.

Die Motivation für die Teilnehmenden liegt mehr darin, dass sie die Möglichkeiten des Netzwerks nutzen, um ihr Leben und Zusammenleben besser zu gestalten und weitere Vorteile zu erlangen. Dadurch entstehen neue Kontakte, Bekanntschaften, Partnerschaften und Gruppen. Es entfaltet sich in der direkten Umgebung eine neue Gesprächs- und Austauschkultur, die Menschen werden sich ihrer Wünsche bewusster, finden Gleichgesinnte und erschließen miteinander neue Möglichkeiten. Daraus entwickelt sich konstruktives Handeln, Austauschen, Kooperieren und lokales Wirtschaften im Sinne eines gesunden, sozialen Miteinanders bzw. des gesellschaftlichen Fortschritts.

Soweit ist das Funktionieren der Methode in Ansätzen schon erwiesen. Aber im Hinblick auf die selbstverstärkende Ausbreitungsdynamik steht der Nachweis noch aus. Ein Gelingen des Dorf-in-der Stadt-Projekts oder eines ähnlichen wäre ein solcher Beweis und würde nicht nur die dort dargestellten Auswirkungen haben, sondern wäre erst die Initialzündung für eine beliebig große Zahl weiterer, möglicher Undina-Projekte.

Eine Freisetzung von Optimismus und Kreativität in unabsehbarem Ausmaß könnte damit erzielt werden. Hiermit bietet sich vielen sozialen Projekten und Initiativen die Methode, mit der wertvolle und zukunftskreative Ideen tatsächlich umgesetzt und Veränderungen herbeigeführt werden können, nicht nur von höheren Ebenen ausgehend, sondern eben auch von unten, aus einem wirksamen und lohnenden bürgerschaftlichen Engagement heraus.

Dabei ist die Undina-Idee nicht primär problemorientiert. Zwar dürften zukünftige Undina-Projekte angesichts der sich türmenden Probleme zunächst überwiegend für den Zweck konzipiert werden, einer oder mehreren drohenden Gefahren zu begegnen. Aber darüber hinausgehend soll die Methode ermöglichen, dass der menschliche Geist sich entsprechend seiner Kreativität und den lokalen Ressourcen weiter kultivieren und immer bessere Formen seines Selbstausdrucks und des soziokulturellen Kooperierens entwickeln kann. Dies ist der Hintergrund für die konstruktiv-optimistische Grundhaltung, die sich in allen Undina-Projekten zeigt.

Könnte das einem neuen, gesellschaftlichen Paradigma den Weg bereiten? Weg von Problemen, Lähmungen, Resignation hin zu kreativen Projekten und Kooperationen. Die wichtigsten Fragen lauten dann nicht mehr, welche neue Katastrophe uns den baldigen Untergang versprechen oder wie wir uns wirksam unserer Feinde erwehren können, sondern: was ist die neue, zukunftskreative Idee, wie können wir das Leben und Zusammenleben kultivieren, problemloser und effektiver machen?

Die Undina-Idee ist keine gesellschaftliche Vision, die einen konkreten Zielzustand zu kennen behauptet. Die Zukunft wird als offen angesehen, und wir gehen davon aus, dass alle Menschen und Gruppen entsprechend ihrer Auffassungs- und Verständnisfähigkeit eine Mitverantwortung für die weitere Entwicklung des Menschseins haben. Die Undina-Methode bietet denen, die sie verstehen und umsetzen wollen, neue Chancen und Möglichkeiten, auf ihre Weise zur Entwicklung einer guten Zukunft beizutragen.

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